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Königskinder von Alex Capus

Königskinder von Alex Capus

Der neueste Roman von Alex Capus, Königskinder, hinterlässt nach dem Lesen ein wohliges Gefühl. Er macht Hoffnung und schenkt Vertrauen, dass doch (noch) alles gut werden kann, und das nicht nur in Bezug auf Liebesbeziehungen.  Alex Capus beschreibt seine Intentionen so: " So viel Vertrauen, Beharrlichkeit, Loyalität und Treue finde ich ungemein tröstlich in einer Zeit, in der Ehen schon online übers Internet mit ein paar Klicks geschieden werden können."
Max und Tina, bereits 26 Jahre zusammen, werden auf einem einsamen Schweizer Bergpass im Auto eingeschneit. Die Beziehung zwischen den beiden ist schwierig. Zwar stimmen sie in den großen Dingen stets überein, aber in den kleinen können sie sich unablässig streiten, ob es nun das vorzeitige Einschalten der Scheibenwischer ist oder der Gebrauch von Fahrradhelmen. Trotzdem sind sie ein Paar, haben einander gefunden, obwohl es manchmal unerklärlich ist, warum gerade diese Person der oder die richtige für einen ist.  Max erzählt TIna zum Zeitvertreib bis zum Eintreffen des Schneepflugs im Morgengrauen eine Geschichte:
Jakob und Marie, zwei Bauernkinder im Greyerzerland zu Beginn der französichen Revolution, verlieben sich ineinander, können aber wegen des Widerstandes von Maries Vater nicht heiraten. Jakob und Marie bleiben beharrlich, ja schon fast stur, sogar als Jakob in die französische Armee eintritt, bleiben sie sich treu. Auf Befehl des französischen Königs wird Jakob auf den "Puppenstuben-Bauernhof" seiner Schwester Elisabet in Montreuil angestellt, um sich dort um die Schweizer Milchkühle zu kümmern. Es ist der Vorabend der französischen Revolution und man erkennt bereits den dekadenten Verfall des Adels und des großen "Scheißhauses" Versailles, das sogar die Kühe wegen des schlimmen Gestankes meiden. Elisabeth bemerkt Jakobs Einsamkeit und lässt Marie kommen. Doch dann bricht die Revolution aus.
Alex Capus erzählt mit einer scheinbar mühelosen Leichtigkeit diese beiden Geschichten. Wie auch schon bei den "13 wahren Geschichten" schafft er es, historische Tatsachen so zu erzählen, dass sie lebendig erscheinen und man den Bezug zur Gegenwart erkennt. Dabei ist er humorvoll, philosophisch und weise und begleitet den Leser und die Leserin ein Stück, um sich dann am Schluss zufrieden zurückzulehen und zu sagen" Na also. Geht doch".