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Brittany Cavallaro, Holmes und ich - Die Morde von Sherringford

Brittany Cavallaro, Holmes und ich - Die Morde von Sherringford

Es fällt mir immer sehr schwer eine Rezension über ein Buch zu schreiben, das mich nicht so mitgerissen hat, wie offensichtlich die meisten anderen LeserInnen. Oft kann ich gar nicht greifen, was mir nicht so gefallen hat, oft sind es ganz persönliche Assoziationen und der Autor oder die Autorin wird deshalb vielleicht zu unrecht schlecht von mir beurteilt. Deswegen vorab: Der Schreibstil und die deutsche Übersetzung sind hervorragend! Die Story ist durchaus spannend und fesselnd, und trotzdem...

Worum geht es?
Holmes und ich spielt in einem Elite-Internat in Connecticut, USA. Die Geschichte wird aus Sicht von James Watson in der Ich-Form erzählt, einem Nachfahren DES berühmten John Watson, Sherlock Holmes treuen Begleiter. Der junge Mann hat an der Schule ein Rugby-Stipendium bekommen, fühlt sich aber noch nicht richtig von seinen MitschülerInnen angenommen. Überhaupt sehnt er sich nach London zurück, wo er ein paar Jahre gewohnt hat, obwohl er in den USA geboren wurde. An der gleichen Schule (welch ein Zufall?) ist auch Charlotte Holmes, die exzentrische Nachfahrin des berühmten Sherlock und Teil des ebenso exzentrischen Holmes-Clans. Schon an dieser Stelle fand ich die Geschichte erzwungen: Warum muss eine Begegnung von Holmes und Watson nun unbedingt in den USA passieren? Und - obwohl es sich viel später aufklärt - kam es mir zu Beginn des Buches sehr unwahrscheinlich vor, dass sich die beiden gerade dort zufällig am gleichen Internat befinden. James hat offensichtlich Berührungsängste, doch eine fiese Bemerkung eines Mitschülers lässt ihn die Fäuste erheben und für Charlotte kämpfen. Kurz danach ist sein Gegner tot und Charlotte und James sind die Hauptverdächtigen. Auf der Suche nach dem Mörder wachsen die beiden doch irgendwie zusammen, doch kann man einem Mitglieder der Familie Holmes tatsächlich nahe kommen?
Die Jagd nach dem Mörder ist tatsächlich sehr spannend gestaltet und man wird auf verschiedene Spuren gelenkt. Parallelen zu den originalen Sherlock Holmes-Geschichten tauchen auf, ein weiterer Anschlag passiert und James gerät in höchste Gefahr.
Meiner Meinung nach versuchte die Autorin zu zwanghaft die Charakterzüge des Originals auf ein 16jähriges Mädchen zu übertragen. Sie hat der Figur zu wenig Platz gelassen um eigene Charakterzüge zu entwickeln, was ich schade fand. Ein 16jähriges Mädchen ist kein 40jähriger Mann aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Das ist wohl der Hauptgrund, warum mir das Buch nicht so gut gefallen hat. Ich liebe Sherlock Holmes-Geschichten, auch die neuesten Verfilmungen mit Robert Downey Jr. oder Bendedict Cumberbatch finde ich klasse, aber auch hier konnten die Schauspieler ihrer Figur jeweils einen besonderen Touch verpassen.
Ansonsten war der Plot sehr gut entwickelt, manchmal fand ich ihn ein wenig zu sehr konstruiert. Es kommt bestimmt ein zweiter Band. Vielleicht findet da die Autorin den Mut, Charlottes Charakter weiter zu entwickeln.