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Elizabeth LaBan, So wüst und schön sah ich noch keinen Tag

Elizabeth LaBan, So wüst und schön sah ich noch keinen Tag

ELizabeth LaBan erzählt mit ihrem Jugendromandebüt eine tragisch-schöne Geschichte. Es ist sehr gut übersetzt. Schön finde ich, dass für den deutschen Titel ein Shakespeare-Zitat gewählt wurde (im Original heißt es The Tragedy Paper), das den Tenor der Geschichte sehr gut trifft. Es gibt auf der einen Seite Schmerz, auf der anderen Seite Glück. Beides gilt es auszuhalten.
Worum geht es?
Im Irving-College gibt es viele Traditionen, u.a. die, dass die Schüler der Abschlussklasse ihren Nachfolgern ein Geschenk in ihrem Zimmer hinterlassen. Duncan bezieht das Zimmer von Tim (ausgerechnet!), der ihm eine Reihe von besprochenen CDs hinterlässt. Der Roman ist so aufgebaut, dass wir abwechselnd Tims Geschichte hören und dann von Duncans Reaktion darauf und sein Abschlussjahr an der Irving-Highschool erfahren. Eine weitere Tradition der Schule ist, dass die Schüler einen großen Aufsatz über das Thema Tragödie schreiben müssen. Mr. Simon, der Englischlehrer zelebriert dies im Unterricht. Er lässt immer wieder Zusatzinformationen durchsickern, von denen die Zuspätgekommenen unter Strafe nichts erfahren dürfen. Tim erzählt Duncan, dass er ihm mit seiner Geschichte die perfekte Grundlage für Duncans Tragödienaufsatz gibt. Was im letzten Schuljahr passiert ist, wissen wir lange nicht. Die Spannung wird sehr gut aufgebaut, Duncan ist es sichtlich unangenehm,  je näher Tims Erzählung ihrem Höhepunkt kommt. Offensichtlich war er Zeuge von Tims Tragödie.
Tim ist ein Außenseiter. Als Albino fühlt er sich ständig angestarrt und ausgegrenzt, obwohl das meiner Meinung nach eine rein subjektive Empfindung ist. Er wird eigentlich ganz gut in Irving aufgenommen, obwohl er nur für das letzte halbe Jahr dort hingeht. Schon auf dem Weg zur Schule, auf dem Flughafen, verliebt er sich in Vanessa, die ebenfalls in der Irving Highschool ist. Doch Vanessa hat einen Freund, der sportliche und beliebte Patrick. Vanessa scheint die Gefühle für Tim durchaus zu erwidern, doch beide können sich nicht aus ihren selbstgebauten Gefängnissen befreien, Tim aus seinen Minderwertigkeitskomplexen und Vanessa aus der Beziehung zu Patrick. Tim hadert mit sich, soll er um Vanessa kämpfen? Und was will Patrick die ganze Zeit von ihm? Tim hat sehr viele Unsicherheiten, die er mit Coolness überspielen will,z.B.  möchte er seine Sonnenbrille nicht aufsetzen, obwohl er weiß, dass grelles Licht seinen Augen schadet. Durch Tims Geschichte kann Duncan seine eigenen momentanen Erlebnisse besser reflektieren und sogar daraus lernen, es besser zu machen, als sein Vorgänger.
Ich fand die Geschichte sehr spannend und sehr gut zu lesen. Es ist zwar als Jungenbuch angelegt, doch auch Mädchen finden einen leichten Zugang zu der Geschichte.