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Ich, Ophelia

Ich, Ophelia

Lisa Klein hat in ihrem Roman "Ich, Ophelia" eine sehr interessante Idee verfolgt und umgesetzt: Was wäre, wenn Ophelia (aus Shakespeares Drama Hamlet) doch nicht ins Wasser gegangen wäre?
 
Die Shakespeare-Expertin zeigt in ihrer Geschichte um das dänische Königshaus ein umfassendes Hintergrundwissen, flicht shakespeareske Maskeraden in die Geschichte ein und bedient sich zeitweilig auch der Sprache.
 
Die Geschichte wird aus Ophelias Sicht geschrieben. Sie beginnt mit ihrer Kindheit und ihrer Ankunft am dänischen Königshof in Helsingör. Schon als junges Mädchen verliebt sie sich in den wagemutigen Königssohn, der jedoch stets zwei Gesichter zu haben scheint. Sie genießt eine höfische Erziehung und wird auch in die Kräuterkunde eingeweiht.
Der Mittelteil behandelt das bekannte Drama um Hamlet und den Königsmord. Schon hier habe ich angefangen, Ophelia irgendwie aus den Augen zu verlieren, ihre Gefühle und Beweggründe nicht wirklich schlüssig nachvollziehen zu können. Von einer Geschichte, die aus der Ich-Perspektive geschrieben wurde, habe ich mir mehr erwartet.
Dann nimmt der Roman diese unerwartete Wendung, mit der ich mich persönlich schwer getan habe. Es war mir schlichtweg an manchen Stellen zu langatmig, ausschweifend. Dinge wurden erwähnt, die meiner Meinung nach nichts zum Gelingen dieser Geschichte beigetragen haben und auch das Ende hat mir leider nicht gefallen - aber das ist natürlich Geschmackssache.
Außerdem fand ich ein paar Mängel in der Übersetzung. Hätte man nicht für "ich bin dein Jack und du meine Jill" nicht ein deutsches Äquivalent finden können?
Es wird mit Blumensymbolik gespielt, die ich noch nie so gehört habe und dann an anderer Stelle wieder anders verwendet wurde - oder mir entzog sich an dieser Stelle das Verstehen, wer weiß. Wenn in Dänemark Lavendel und Rosmarin blüht, fange ich ebenfalls an zu grübeln.

Insgesamt hätte ich mir mehr erwartet. Deswegen vergebe ich nur drei Sterne für diesen Roman.