Sie sind hier

Selim Özdogan, Wieso Heimat, ich wohne zur Miete

Selim Özdogan, Wieso Heimat, ich wohne zur Miete

Krishna Mustafa wird von seiner Freundin Laura verlassen. Angeblich soll er erstmal seine Identität suchen und finden. Krishna lebt mit seiner deutschen Mutter in Freiburg, lebte aber bis zu seinem sechsten Lebensjahr in Istanbul. Nun ist er dort zurückgekehrt um nach seinen Wurzeln zu forschen. Doch, wenn du wissen willst, was ein Wald ist, fragst du dann die Bäume oder die Vögel? Mit solchen Fragen ist Krishna konfrontiert, als er versucht, das Leben in Istanbul zu verstehen. Sein Cousin Emre zieht derweil nach Freiburg in Krishnas WG-Zimmer. Beide machen kulturelle Grenzerfahrungen.
Zunächst einmal hat mich die Naivität, um nicht zu sagen Dummheit, von Krishna Mustafa irritiert. Doch mit dieser Haltung erfährt er ganz viel über die Türkei und ihre Bewohner. Durch eine Verkettung von unglückseligen Umständen wird er sogar von einem Journalisten zu einem Dschihadisten gemacht. Ich habe viel über die Gezi-Parkdemonstrationen und die Haltung der jungen Türken zu Erdogan erfahren. Im Text sind immer wieder sehr schöne Gedanken eingestreut, die dieses Buch noch lange nachhallen lassen. Die naive Haltung Krishnas wird immer wieder durch die eingeschobenen Kapitel des Chors der Einäugigen konterkariert. Nicht alles davon konnte ich als Nichttürkin verstehen, lachen musste ich trotzdem.
Ein sehr zu empfehlendes Buch für Deutsche UND Türken und alle, die nicht in Schubladen denken wollen.