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Tadunos Lied

Tadunos Lied

Tadunos Lied ist das Erstlingswerk des nigerianischen Journalisten Odafe Atogun.
Zunächst fällt der einfache Sprachstil auf, der mich gerade deswegen sehr berührt hat. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, mir würde die Geschichte von einem alten Mann an einem Lagerfeuer erzählt werden. Die märchenhaften Elemente, der gute Held, der böse Tyrann, unterstreichen dies noch.
Die Geschichte spielt in Nigeria, der genaue Zeitpunkt ist unklar, aber so etwa in den 1990er Jahren. Nigeria wird von einem grausamen, aber charmanten und "konzilianten" Tyrannen beherrscht. Die Bevölkerung lebt in Angst und Schrecken, der Geheimdienst lauert an jeder Ecke. Der berühmte Sänger, dessen Lieder durch seine bezaubernde Stimme und die wunderschönen Klänge seiner Gitarre bis in die Herzen dringen, ist im Exil. Er hat es übertrieben mit der Kritik am tyrannischen Regime. Da erreicht ihm auf wundersame Weise ein Brief seiner Freundin Lela. Sie wurde vom Geheimdienst verschleppt und ihr droht nun der Tod, wenn nicht er, Taduno, dem Tyrannen ein Loblied sänge. Natürlich eilt Taduna zurück in sein Land, versucht seine alten Freunde wiederzufinden, zu erfahren, was mit Lela passiert ist, doch seltsamerweise erkennt ihn niemand. Da seine Stimme durch die erlittenen Folterungen beschädigt ist, kann er sich auch so nicht zu erkennen geben. Allein die Melodien, die er auf seiner Gitarre spielt, erreichen die Herzen der Menschen und nur so kann er sich ausdrücken. Es folgt ein Katz und Maus-Spiel mit dem Geheimdienst, Gespräche mit dem Tyrannen und dann der Deal: Taduno soll innerhalb von vier Wochen einen Hit schreiben, um den Tyrannen zu loben, sonst würde seine Freundin Lela sterben. Wie weit geht Taduno für seine Liebe?
Mich hat diese Geschichte zum Nachdenken angeregt. Wie weit würde ich gehen? Würde ich meine Liebe zu einer Person über das Wohl von einer Bevölkerung stellen? Es lohnt sich, sich auf diesen neuen afrikanischen Autor einzulassen.