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Trügerischer Sommer

Trügerischer Sommer

Jede Familie hat ein Geheimnis

Barbara und ihr 15jähriger Sohn Tore leben in Berlin. Barbara hat sich von ihrem Ehemann getrennt und hat nun auch noch ihren Job in einem Museum verloren. Als die Nachricht kommt, dass ihr Vater im Sterben liegt, muss sich Barbara ihrer Vergangenheit stellen, die sie durch den Umzug in die Hauptstadt hinter sich gelassen hat.

Wieder daheim muss sie wieder mit den alten Bekannten und Freunden umgehen, alte Freundschaften pflegen und Feindschaften ruhen lassen, aber was noch mehr zählt, mit ihrem Bruder Kristian, einem fast autistisch anmutenden Tierarzt, über den Vater und somit über ihre Kindheit sprechen.
Nach und nach werden die dunklen Geschichten wieder ans Tageslicht gebracht. Tore ist verwirrt und enttäuscht, als er von einem weiteren Bruder erfährt, der seit 40 Jahren aus dem Leben der Familie verbannt wurde. Er will sich allein auf die Suche nach seinem Onkel machen, er braucht dringend jemandem, zu dem er als Vater aufschauen kann, zumindest hatte ich den Eindruck.
Die erste Begegnung wird dank Tores Freund David fast zum Desaster. David und seine Freunde sind nicht gerade zimperlich im Umgang mit Menschen und im Einhalten von Gesetzen. Tore ist auch dadurch etwas verwirrt, lässt sich aber sehr schnell in die kriminellen Machenschaften hineinziehen.
Karen versucht sich über den Sommer in ihrer Heimatgemeinde soweit einzurichten, dass sie mit ihrem Sohn versorgt ist. Ein Job im Museum bietet sich an und auf einmal ist sie die gefragte Künstlerin aus der Stadt. Mit ihrer ehemaligen Freundin Karen lässt sie fast die Vergangenheit wieder aufleben, merkt aber schnell, dass ein schönes weißes Tuch über die Schattenseite der ländlichen Idylle gelegt wurde. Und dann ist da noch Karens Mann Milan.
Dieser Roman ist sehr vielschichtig geschrieben und spricht viele unterschiedliche Themen (Massentierhaltung, Antibiotikamissbrauch, Jugendkriminalität...) an. Gleichzeitig ist er eine tiefgründige Beschreibung eines Familiendramas. Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Traumata der Elterngeneration noch weit in die Kindergeneration hineinwirken können.
Ich gebe eine ganz klare Leseempfehlung und 5 Sterne!