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Neue Medien - Belletristik

Zehn Jahre lang hat sich Carl-Johann Gustafsson (81) von seiner Familie zurückgezogen ? das soll sich jetzt ändern. Gemeinsam mit der Familie will er Weihnachten auf seinem Landgut feiern, wie früher. Seine Kinder und Enkelkinder folgen der Einladung nur widerwillig, denn die Familienbande existieren schon lange nicht mehr. Aber niemand will etwas verpassen, und womöglich wird ja das Erbe verteilt ... Am Ende kommt es dann ganz anders als gedacht, doch glücklicherweise haben die gute Seele des Hauses, Diener Alfred, und der Weihnachtsmann höchstselbst ihre Finger im Spiel.

In einem bayerischen Dorf wird im Jahr 1957 im dunklen Moor ein Sarg mit der Leiche einer jungen Frau gefunden. Was hatte sie verbrochen, um so unchristlich und abseits von der Gemeinde begraben zu werden?
Im Jahr 939 wachsen die Freundinnen Afra und Richlint im harten Bauernleben des Dorfes Pitengouua auf. Ungarische Krieger überfallen das Dorf, morden und plündern. Während die Dorfbewohner mühsam den Weg in den Alltag zurücksuchen, gibt allein die Heilerin Justina den Mädchen Halt und Trost. Doch weder Afra und Richlint noch die Menschen aus ihrem Dorf können sich den Machtkämpfen zwischen Adel, Kirche und aufständischer Landbevölkerung entziehen. Während Afra durch den Mann, dem sie zur Frau gegeben wird, Liebe und Mutterglück findet, muss Richlint, die Tochter einer Sklavin, einen dramatischen Kampf um Freiheit und ihre große Liebe zum Ungarnführer Arpad fechten.
Auf dem Lechfeld bei Augsburg entscheidet sich im Jahr 955 nicht nur die Zukunft Bayerns, sondern auch der Lebensweg der jungen Frauen. Wird Afra ihrer unfreien Freundin bis zur letzten Entscheidung beistehen?

Ein Haus an den Klippen. Eine schicksalhafte Liebe. Ein Mädchen auf der Suche nach seiner Mutter

Mit gebrochenem Herzen sucht die Bildhauerin Grania Ryan Zuflucht in ihrer irischen Heimat. Bei einem Spaziergang an der Steilküste von Dunworley Bay wird Grania jäh aus ihren trüben Gedanken gerissen: Am Rande der Klippen steht ein Mädchen, barfuß und nur mit einem Nachthemd bekleidet. Der Wind zerrt an der zerbrechlichen Gestalt, und von plötzlicher Sorge ergriffen spricht sie das Kind an. – Ohne es zu ahnen, stößt Grania durch diese Begegnung die Tür zu einer über Generationen reichenden, tragischen Familiengeschichte auf – ihrer Geschichte.

Eine klassische Konstellation: der Vater, die Mutter und der Liebhaber. Und das Kind, vor dessen Augen sich das Drama entfaltet. Aber so, wie Ian McEwan sie erzählt, hat man diese elementare Geschichte noch nie gehört. Verblüffend, verstörend, fesselnd, philosophisch – eine literarische Tour de force von einem der größten Erzähler englischer Sprache.

Tadunos Lied ist das Erstlingswerk des nigerianischen Journalisten Odafe Atogun.
Zunächst fällt der einfache Sprachstil auf, der mich gerade deswegen sehr berührt hat. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, mir würde die Geschichte von einem alten Mann an einem Lagerfeuer erzählt werden. Die märchenhaften Elemente, der gute Held, der böse Tyrann, unterstreichen dies noch.
Die Geschichte spielt in Nigeria, der genaue Zeitpunkt ist unklar, aber so etwa in den 1990er Jahren. Nigeria wird von einem grausamen, aber charmanten und "konzilianten" Tyrannen beherrscht. Die Bevölkerung lebt in Angst und Schrecken, der Geheimdienst lauert an jeder Ecke. Der berühmte Sänger, dessen Lieder durch seine bezaubernde Stimme und die wunderschönen Klänge seiner Gitarre bis in die Herzen dringen, ist im Exil. Er hat es übertrieben mit der Kritik am tyrannischen Regime. Da erreicht ihm auf wundersame Weise ein Brief seiner Freundin Lela. Sie wurde vom Geheimdienst verschleppt und ihr droht nun der Tod, wenn nicht er, Taduno, dem Tyrannen ein Loblied sänge. Natürlich eilt Taduna zurück in sein Land, versucht seine alten Freunde wiederzufinden, zu erfahren, was mit Lela passiert ist, doch seltsamerweise erkennt ihn niemand. Da seine Stimme durch die erlittenen Folterungen beschädigt ist, kann er sich auch so nicht zu erkennen geben. Allein die Melodien, die er auf seiner Gitarre spielt, erreichen die Herzen der Menschen und nur so kann er sich ausdrücken. Es folgt ein Katz und Maus-Spiel mit dem Geheimdienst, Gespräche mit dem Tyrannen und dann der Deal: Taduno soll innerhalb von vier Wochen einen Hit schreiben, um den Tyrannen zu loben, sonst würde seine Freundin Lela sterben. Wie weit geht Taduno für seine Liebe?
Mich hat diese Geschichte zum Nachdenken angeregt. Wie weit würde ich gehen? Würde ich meine Liebe zu einer Person über das Wohl von einer Bevölkerung stellen? Es lohnt sich, sich auf diesen neuen afrikanischen Autor einzulassen.

Dieser Roman handelt von Flüchtlingen, Einsamkeit, Zerstörung von Illusionen und dem "idyllischen" Landleben im Allgemeinen. Ein altes Haus spielt eine tragende Rolle, ein Haus, das die Schicksale vieler Generationen erlebt hat und tief in seine Mauern und sein Gebälk eingesogen hat.
Hildegard von Kamcke ist mit ihrer achtjährigen Tochter auf der Flucht aus Ostpreußen vor der Roten Armee und landet in dem alten Bauernhaus von Ida Eckhoff im Alten Land (westlich von Hamburg). Die Landschaft ist bekannt für ihren Obstanbau und auch der Bauernhof der verwitweten Ida hat viele Apfel- und Kirschbäume. Als Flüchtling nur geduldet, schuftet die stolze Hildegard trotzdem auf dem Hof. Als der stark traumatisierte Sohn Idas, Karl, aus dem Krieg heimkehrt, gewinnt sie sein Herz. Diese stolze Frau aus Ostpreußen als Schwiegertochter unter ihrem Dach zu haben, ist zu viel für Ida Eckhoff. Eines Tages wird man sie auf dem Dachboden finden, aufgeknüpft an eine Wäscheleine, wie beim Tanzen eingeschlafen. Hildegard hält es nicht lange auf dem Land. Zusehr ist das Leben dort unter ihrem Niveau. Schon bald wird sie sich mit einem reichen Architekten nach Hamburg aufmachen und ihre Tochter Vera bei Karl zurücklassen. Vera, die Einserschülerin, das Flüchtlingskind, das sonderbare Mädchen, dass nur in Unterwäsche bekleidet einfach mal so in die Elbe springt, bringt es zur Zahnärztin und eröffnet eine Praxis im Dorf. Sie kümmert sich um ihren Stiefvater, der immer wunderlicher wird und stark unter den traumatischen Belastungen des Krieges leidet.
Hildegard bekommt eine weitere Tochter, Marlene. Marlene kennt ihre Mutter, aber weiß nichts über Hildegard von Kamcke aus Ostpreußen. Trotzdem leidet sie unter der zur Schau getragenen Gefühlskälte der Mutter, dem Stolz und dem Zwang immer den Kopf nach oben zu tragen. Ihren Kindern Thomas und Anna wird es ähnlich gehen. Erst wird Anna zum Wunderkind am Piano erzogen, dann ist es Thomas, das wahre Musikgenie der Familie und Anna wird hintangestellt. Anna flüchtet vor ihrer Familie in eine Tischlerlehre und eine Beziehung zu einem beliebten Krimischriftsteller. Bald bekommen sie einen kleinen Sohn, Leon, doch das Leben in Hamburg-Ottense erträgt Anna kaum. So wenig kann sie sich mit den bewussten Muttis identifizieren, deren Kinder an Demeter-Reiswaffeln kauen und von Frühförderung zu Frühförderung hetzen. Als Anna bemerkt, dass ihr Freund sie betrügt, flieht sie zu Vera aufs Land. Dort treffen zwei Frauen aufeinander, die beide immer noch unter den Spätfolgen der Flucht leiden, unter Gefühlskälte, unter Bindungsangst. Anna will als Tischlerin das alte Haus Veras wieder "schier" machen. Vera braucht lange, um das wirklich zu zulassen. Genauso lange braucht Anna, um sich von ihren Ängsten zu befreien.
Geschmückt ist die Geschichte um Anna und Vera mit herrlich komischen Szenen über das Landleben, über die Illusionen der Städter, die meinen, alles besser zu wissen, als die alteingessenen Bauern und die schließlich daran verzweifeln.
Die Sprache ist wunderschön poetisch, arbeitet mit vielen Bildern, die manchmal ungewöhnlich, aber doch sehr eindrücklich sind. Für mich ist dieses Buch DAS MUST-READ des Jahres 2015 und ich lege es euch dringend ans Herz und auf den Büchertisch.

Krishna Mustafa wird von seiner Freundin Laura verlassen. Angeblich soll er erstmal seine Identität suchen und finden. Krishna lebt mit seiner deutschen Mutter in Freiburg, lebte aber bis zu seinem sechsten Lebensjahr in Istanbul. Nun ist er dort zurückgekehrt um nach seinen Wurzeln zu forschen. Doch, wenn du wissen willst, was ein Wald ist, fragst du dann die Bäume oder die Vögel? Mit solchen Fragen ist Krishna konfrontiert, als er versucht, das Leben in Istanbul zu verstehen. Sein Cousin Emre zieht derweil nach Freiburg in Krishnas WG-Zimmer. Beide machen kulturelle Grenzerfahrungen.
Zunächst einmal hat mich die Naivität, um nicht zu sagen Dummheit, von Krishna Mustafa irritiert. Doch mit dieser Haltung erfährt er ganz viel über die Türkei und ihre Bewohner. Durch eine Verkettung von unglückseligen Umständen wird er sogar von einem Journalisten zu einem Dschihadisten gemacht. Ich habe viel über die Gezi-Parkdemonstrationen und die Haltung der jungen Türken zu Erdogan erfahren. Im Text sind immer wieder sehr schöne Gedanken eingestreut, die dieses Buch noch lange nachhallen lassen. Die naive Haltung Krishnas wird immer wieder durch die eingeschobenen Kapitel des Chors der Einäugigen konterkariert. Nicht alles davon konnte ich als Nichttürkin verstehen, lachen musste ich trotzdem.
Ein sehr zu empfehlendes Buch für Deutsche UND Türken und alle, die nicht in Schubladen denken wollen.

Der älteste Sohn der indischen Familie Patel, der reichsten Familie im Dorf, soll Arzt werden. Nach seinem Medizinstudium schickt ihn sein Vater in die USA, wo er am Parkview Hospital in Dallas seine Ausbildung als Assistenzarzt vervollständigen soll. Der junge Inder, noch streng nach den alten Traditionen erzogen, trifft auf die moderne westliche Welt mit völlig neuen Sitten, vorallem was die Beziehung zwischen Mann und Frau betrifft. Anil ist ehrgeizig und arbeitet sich nach oben. Er wohnt mit zwei anderen indischen Männern in einer WG. Einer davon ist den westlichen Sitten gegenüber sehr aufgeschlossen, der andere versucht sich so zu verhalten, wie er es gewohnt ist.
Anil muss erfahren, dass sein Vater gestorben ist, leider ist die Zeit zu knapp, sodass er nicht mehr zur Beerdigung kommen kann. Sein Vater war eine sehr wichtige Person für Anil, außerdem hatte er die Rolle eines Ratgebers für das kleine Dorf. Diese schwere Aufgabe muss nun Anil übernehmen. Bei seinem nächsten Besuch daheim, noch völlig durcheinander durch einen tödlichen Diagnosefehler, sieht er sich dieser schweren Aufgabe kaum gewachsen. Daheim erfährt er auch, dass Leena, mit der er eine keusche Romanze in seiner Kindheit hatte, inzwischen verheiratet ist. Ihre Eltern haben wie es üblich ist, die Ehe arrangiert, mussten allerdings Schulden bei der Familie Patel machen, um die hohe Mitgift zu bezahlen. Leena lebt nun in einem kleinen Dorf 100 km weit weg von zuhause. Von Reichtum kann nicht die Rede sein, das Haus ist heruntergekommen, die Felder verwahrlost, Schwiegermutter und Schwägerin behandeln sie wie eine Sklavin und ihr Mann schlägt und misshandelt sie. Doch von alldem bekommt ihre Familie daheim nichts mit und Leena schämt sich zu sehr, es zuzugeben. Sie will doch eine gute Ehefrau sein! Irgendwann kommt es zum Eklat: Leenas Ehemann versucht sie zu verbrennen, aber sie kann schwer verletzt fliehen und kehrt - in Schande - wieder nach Hause zurück. Die Familie ist seitdem geächtet und in Armut.
Von alldem weiß Anil nichts als er zurückkehrt. Er hat selbst eine Beziehung mit seiner amerikanischen Nachbarin angefangen und weiß nicht, ob er das seiner Familie sagen soll. Gleichzeitig wird der Druck im Krankenhaus immer größer, die Konkurrenz unter den Assistenzärzten wächst. Anil macht sich Sorgen, ob er das alles schaffen wird. Seine Mutter erwartet von ihm, dass er nach Indien zurückkehrt. Doch Anils Pläne sind andere. Bei einem weiteren Besuch in Indien trifft er Leena wieder...

Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet. Ich wusste nicht, wie sehr in Indien die Tradition von vermittelter Ehe noch gelebt wird, wie wichtig die Mitgift ist, die offiziell seit 1961 schon verboten ist, aber immer noch verschulden sich Familien. Auch wie weit es verbreitet ist, dass Ehefrauen gequält und verbrannt werden, auch von den Schwiegermüttern, war mir in diesem Ausmaß nicht bekannt. Mich hat diese große Diskrepanz zwischen Tradition und Moderne erstaunt. Ich danke der Autorin, dass sie dieses Thema der westlichen Welt auf diese Weise näher gebracht hat und ich hoffe, dass sich dadurch etwas ändern wird.

Wenn jemand aus Sch... Gold machen kann, dann Lars Simon. Seine Tierexkrementetrilogie ist sehr erfolgreich und das aus gutem Grund: Skurrile Charaktere, die durch ihre Überzeichnung unglaublich witzig sind  und konsequent durch die drei Bücher entwickelt werden und eine ebenso skurrile Story gehören zum Erfolgsrezept des Autors.
Worum geht es diesmal?
Torsten erwirbt das kleine Ferienhäuschen und steckt mitten in den Renovierungsarbeiten, als Lindas Vater auftaucht. Linda sei verschwunden! Eigentlich sollte sie in Lappland bei ihrem Ex-Freund Olle sein, um an einem Kulturprojekt mitzuarbeiten, doch seit Tagen sei sie nicht mehr erreichbar. Torsten und sein Überraschungsgast Rainer, der auf der Suche nach einem neuen Kulturintegrationskurs inklusive Sprachkurs ist, machen sich auf in den eisigen Norden, um Linda aufzuspüren. Was sie auf dem Weg dorthin erleben, geht auf keine Rentierhaut: Rasende Asen, randalierende Feministinnen und vor allem Schnee, sehr viel Schnee. Der Weg zum, es darf verraten werden, Happy End ist eisig und mühsam, aber unglaublich lustig.
Ein köstlicher Lesespaß!

Band 1 Elchscheiße

Band 2 Kaimankacke